Biologische Station Kreis Wesel und Krefeld e.V.

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Wir engagieren uns für die Natur.

Warum sind unsere Gänsezahlen eigentlich krumm?

Wenn die Tage kühler werden, beginnen bei uns die alljährlichen Gänsezählungen. Von September bis März sind ehren- und hauptamtliche Zähler in verschiedenen, meist rheinnahen Gebieten unterwegs, um die Gänsebestände zu erfassen. Viele unterschiedliche Gänsearten kommen in großer Zahl an den Unteren Niederrhein, um hier zu überwintern. Das sorgt jedes Jahr für ein beeindruckendes Naturschauspiel, das auch zahlreiche Besucher aus anderen Regionen anlockt.

Auffliegende Gänse Äsende Gänse

Ein kurzer Blick in die Vergangenheit zeigt, wie sich diese Entwicklung vollzogen hat: Seit den 1950er Jahren werden am Unteren Niederrhein zunehmend mehr Gänse beobachtet. Auch Blessgänse tauchen nun regelmäßig auf, zunächst jedoch nur in geringer Zahl. In den späten 1970er Jahren steigen die Bestände dann stark an. Im Winter 2005/06 werden fast 200 000 Gänse gezählt.

Ab Mitte der 1980er Jahre verändert sich außerdem die Zusammensetzung der Bestände. Die Saatgans, früher die häufigste Art, wird deutlich seltener: Ihre Zahl sinkt von etwa 65 000 auf unter 20 000 Tiere. Gleichzeitig nimmt die Blessgans stark zu und erreicht Bestände von über 190 000 Individuen.

Warum die Gänsezahlen insgesamt so stark anstiegen, ist bis heute nicht abschließend geklärt. Vermutet wird jedoch, dass viele Gänse ihre Winterquartiere von Südost- nach Westeuropa verlagerten. Neuere Auswertungen der NWO (Nordrhein-Westfälische Ornithologengesellschaft) zeigen zudem, dass die Gänse heute verstärkt erst ab Ende Oktober am Niederrhein eintreffen, während sie früher oft schon im September in großer Zahl anwesend waren.

Aktuell belaufen sich die Zahlen bei der letzten Zählung im Dezember im Kreis Wesel auf 73948. Doch wie kommen diese Zahlen eigentlich zustande? Wird wirklich jede einzelne Gans gezählt? Und muss man bei einem Zählfehler wieder von vorne anfangen?
"Krumme" Zahlen wie 73948 wirken auf den ersten Blick so, als wäre tatsächlich jede einzelne Gans erfasst worden. Das ist bei großen Schwärmen jedoch nicht möglich. Hier wird auf Basis eines exakt abgezählten Teils geschätzt, wie viele Tiere sich in der gesamten Gruppe befinden. Nur bei kleinen Trupps lassen sich die Gänse tatsächlich einzeln zählen.
Die Gesamtzahl entsteht daher aus einer Mischung: Große Gruppen werden geschätzt, kleine genau gezählt. Die exakt gezählten Gänse fallen zahlenmäßig kaum ins Gewicht im Vergleich zu den Unsicherheiten der großen Schätzungen. Dennoch ist die Gesamtsumme sinnvoll und verlässlich – solange klar ist, dass sie nicht auf einer exakten Einzelzählung beruht, sondern auf einer realistischen Kombination aus Zählen und Schätzen.

Wer mehr Infos zu dem Wildgänse haben möchte, kann sich auf unserer Website "Wildgänse am Niederrhein" informieren oder auch an unseren Gänse-Exkursionen teilnehmen!

Biologische Station Kreis Wesel und Krefeld e.V. · Freybergweg 9 · 46483 Wesel
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